Positives Feedback

Lesen Verhältnisprävention
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Weiß Ihr Kind, dass Sie es lieben? Na klar, werden Sie jetzt vermutlich sagen. Aber weiß es auch, was Sie ganz besonders an ihm schätzen? Falls Sie sich da jetzt selbst nicht so sicher sind, wird es dringend Zeit für eine Bilanz.

„Weißt Du eigentlich, wie lieb ich dich habe?“ Dieses hinreißende Kinderbuch vom großen und kleinen Hasen ist seit Ende der 80er-Jahre ein Dauer-Seller im Buchhandel. Viele tausend Eltern haben es inzwischen weltweit ihren Kindern vorgelesen und mit ihm gewetteifert: Ich hab‘ dich lieb bis zum Mond und zurück.

Unermesslich geliebt zu werden: Dass Kinder in dieser Gewissheit aufwachsen, ist unter anderem eine Voraussetzung dafür, dass sie sich überhaupt trauen, die Hand der Eltern loszulassen und ins Abenteuer Leben zu stapfen. Dass sie zunehmend ihre eigenen Wege gehen. Das Gefühl, bedingungslos geliebt zu werden, ist Basis für das, was Psychologen „sichere Bindung an die Eltern“ nennen.  Und das wiederum ist Fundament für ein gelingendes Leben.

Der erste Spiegel Ihres Kindes sollte glänzen

Doch leider ist es mit der grenzenlosen Liebe allein noch nicht getan. Eltern sind eine Art Spiegel, in dem das Kind sich kennenlernt – mit seinen guten, aber auch schlechten Eigenschaften. Wie bin ich, was kann ich, was macht mich aus als Person? Die ersten Antworten auf diese – natürlich nicht wörtlich gestellten – Fragen erhält das Kind von seinen Eltern. Und wie das so ist mit ersten Antworten: Sie wirken besonders nachhaltig.

Gerade wenn das Kind in die Schule kommt, schlägt ihm plötzlich viel Kritik entgegen: Leistung wird nun zum Thema, und auch Eltern schauen plötzlich mehr auf die Soll-, als auf die Haben-Seite ihres Kindes. Wird es da nicht Zeit, auch ein paar Pfunde in die andere Waagschale zu packen?

Nehmen Sie sich einmal als Eltern die Zeit und listen Sie abends schriftlich zehn positive Persönlichkeitseigenschaften auf, die Ihr Kind besitzt. Die ersten drei, vier Punkte stehen vermutlich ganz schnell auf dem Papier. Doch was ist mit dem Rest? Wenn sich die Liste nur schwer füllt, können Sie Ihr Kind auch für ein paar Tage gezielt beobachten: Was fällt Ihnen Positives auf?

Vorsicht vor dem Aber

Achten Sie dabei darauf, nicht das „Können“ einzutragen („kann Tore schießen“, „ist toll im Rechnen“), sondern die Eigenschaften, die diesem Können zugrunde liegen, also beispielsweise Ausdauer, Ehrgeiz, Sorgfalt, Kreativität. Achten Sie außerdem darauf, diese aufgelisteten Merkmale nicht gleich mit einem Nebensatz kaputt zu reden, also etwas so: „Mein Kind ist intelligent, macht aber zu wenig daraus.“ Der „aber...“-Teil erzählt meist mehr über Sie und Ihr Wunschbild vom Kind, als von Ihrem Kind selbst.

Gehen Sie die Liste anschließend mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin durch. Wenn er/sie das Kind ganz anders sieht, ist das übrigens kein Drama, sondern eher normal: So wie Mama und Papa nicht identisch sind, verhält sich das Kind ihnen gegenüber auch nicht gleich. Außerdem legen Sie unterschiedlich viel Wert auf verschiedene Eigenschaften, darum fallen sie Ihnen auch mehr oder weniger auf. Dadurch kommen unterschiedliche Wahrnehmungen aufs Papier. Für das Kind ist dies nur ein Gewinn.

Das richtige Verhältnis zwischen Kritik und Lob

Versuchen Sie, jeden Tag Ihr Kind für mindestens eine Eigenschaft auf der Liste explizit zu loben: „Danke, dass Du mir geholfen hast beim Aufräumen. Du bist wirklich jemand, der mitdenkt.“ Denn mal ehrlich: Im Alltag kommen solche Rückmeldungen doch meist zu kurz, oder? Eltern geben in der Regel deutlich mehr negatives als positives Feedback – in der Hoffnung, das Kind so zu einem Besseren zu bewegen. Was das Kind dabei allerdings vor allem hört, ist: Du bist nicht gut so, wie du bist.

Schon alleine als Ausgleich dazu ist regelmäßiges Betonen der guten Eigenschaften extrem wichtig. Doppelt so viel loben wie kritisieren: Das sollte Ihr Ziel sein. Hängen Sie deshalb die Liste dahin, wo Sie sie täglich sehen – damit Sie im stressigen Alltag nicht vergessen, dass Sie Ihr Kind nicht nur bis zum Mond und zurück lieben, sondern auch, warum das so ist.

 

Die Liste finden Sie hier als Vorlage zum Herunterladen.

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