Lautstärke in der Kita reduzieren

Lesen Verhältnisprävention
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Lärm ist eine reale Belastung. Erzieher*innen und pädagogische Fachkräfte können ein Lied davon singen! Doch wie können Sie die Lautstärke in Ihrer Kita reduzieren? 

In der Kita wird es schnell mal laut – vor allem beim freien Spiel, beim Essen oder in der Bring- und Abholzeit. Da kann der Lautstärkepegel leicht einmal 80-85 Dezibel erreichen. Das heißt, Lärm gehört bei Erzieher*innen und pädagogischen Fachkräften sehr häufig zu den Arbeitsbedingungen dazu (75,1 Prozent) .Von gut der Hälfte (55 Prozent) der Kita-Mitarbeiter*innen wird der Geräuschpegel als belastend empfunden. Andere Berufe sind nur zu 23,2 Prozent häufig Lärm ausgesetzt, 11,6 Prozent davon empfinden diesen dann als belastend (Quelle: Erzieherinnen und Erzieher in der Erwerbstätigkeit – Ihre Arbeitsbedingungen, Arbeitsbelastungen und die Folgen, BiBB, 2015). 

Der Lärm in der Kita kann bei den Mitarbeiter*innen zu gesundheitlichen Problemen führen, z. B. zu Verspannungen, Gehörschäden oder Tinnitus. Und auch die Kinder können darunter leiden und z. B. Konzentrationsprobleme entwickeln. Sogar die Sprachentwicklung kann in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Aber woher kommt dieser Lautstärkepegel? Und noch viel wichtiger: Wie können Sie ihn in Ihrer Kita verringern? 

1. Finden Sie die Lärm-Quellen in Ihrer Kita 

Klar: Wo viele spielende Kinder sind, wird es zwangsläufig laut. Die Lärmbelastung kann aber auch durch bauakustische oder organisatorische Faktoren beeinflusst werden.  

Ein Beispiel: Die Räumlichkeiten in Ihrer Kita sind offen und weitläufig gestaltet, die Böden sind gefliest und es gibt keine Teppiche? Das ist aus nachvollziehbaren Gründen natürlich praktisch. Der Schall hat dadurch aber auch die Möglichkeit, sich ungehindert auszubreiten und zu verstärken.  

Gehen Sie den Lärmquellen in Ihrer Kita also auf die Spur. Stellen Sie dabei ganz konkrete Fragen, wie: 

  • Wo, d. h. in welchen Räumen, ist der Lautstärkepegel besonders hoch?
  • Welche Lärm- oder Schallquellen gibt es in Ihrer Kita (z. B. laute Lüftung, Stuhl- und Tischbeine, lautes Spielzeug, …) 
  • Wann ist es besonders laut (z. B. Programmpunkte, Tageszeiten, Wochentage, …) in Ihrer Kita? 

Was Ihnen beim Aufspüren der Lärmquellen helfen kann: Halten Sie eine Woche lang Zettel und Stift bereit und notieren Sie Ihre Beobachtungen direkt, am besten gemeinsam mit weiteren Kolleg*innen. 

2. Finden Sie Maßnahmen zur Reduzierung des Lärms 

Ein hoher Lautstärkepegel hat meistens viele Gründe. Es ist also auch ein Mix aus verschiedenen Maßnahmen nötig, um den Lärm zu reduzieren. Die folgende Checkliste kann Ihnen dabei helfen, passende Maßnahmen für Ihre Kita zu erkennen: 

  • Gibt es Lärmquellen, die ausgewechselt oder repariert werden können (z. B. die laute Lüftung oder Heizung, quietschende Türen oder Rollos?) 
  • Wie können Sie den Lautstärkepegel bei Schallquellen senken, die bauakustischer Natur sind (z. B. geflieste Böden, große Räumlichkeiten, …)?  
  • Haben Sie bereits Einrichtungsgegenstände in Ihrer Kita, die Lärm/Schall schlucken? Können Sie diese auch in anderen Räumen einsetzen oder neue kaufen? 
  • Welche Einrichtungsgegenstände oder Materialien gibt es außerdem, die Lärm/Schall verringern? Wie können Sie diese in den Kita-Räumen nutzen? 
  • Nutzen Sie alle zur Kita gehörenden Räumlichkeiten gut und vollständig aus (z. B. Außenbereiche, Innenräume und alle Ecken in den Außen- und Innenbereichen)? 
  • Gibt es in Ihrer Kita bzw. den Räumen gekennzeichnete Bereiche, die z. B. nur für ruhiges Spielen / Entspannen, für Aktion, für Essen o. ä. vorgesehen sind? 
  • Wie können Sie die Tagesabläufe in Ihrer Kita anpassen, sodass der Lärmpegel sinkt? 
  • Haben Sie in Ihrer Kita Verhaltensregeln etabliert, z. B. für Gruppenräume oder für die Essens- oder die Abholzeiten, in denen die Lautstärke zwangsläufig etwas höher ist? 
  • Steht Ihnen als Erzieher*in oder pädagogische Fachkraft eine Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung, wenn Sie kurz Ruhe benötigen, um neue Kraft zu sammeln oder um wichtige Inhalte vorzubereiten und an Portfolios zu arbeiten? 

3. Setzen Sie die Maßnahmen als Kita-Team um 

Mit der Spurensuche und einer Ideensammlung haben Sie bereits den größten Teil geleistet, um eine verhältnispräventive Maßnahme in Ihrer Kita umzusetzen. Helfen Sie nun als Team zusammen, um den Lärm in Ihrer Kita langfristig zu reduzieren. Alle Mitarbeiter*innen haben einen gesundheitlichen Vorteil davon. Und auch die Kinder profitieren von gesunden und entspannten Erzieher*innen und pädagogischen Fachkräften sowie von ruhigen Momenten. Um effektiv vorzugehen, ist es wichtig, dass Sie einen gezielten und strukturierten Gesundheitsförderungsprozess durchführen.  

Wichtig sind dabei: 

  • Klare Ziele 
  • Zielführende Maßnahmen 
  • Geregelte Verantwortlichkeiten 

Im Mitgliederbereich unter Verhältnisprävention finden Sie als fit4future-Teilnehmer*in Unterlagen, die Sie bei der gelingenden und nachhaltigen Umsetzung unterstützen. Weitere Infos und Ideen lesen Sie auch in der Erzieherbroschüre unter dem Punkt “Kita als gesunder Raum”. 

4. Ideen für Lautstärke-reduzierende Maßnahmen 

So individuell jede Kita ist, so individuell sind auch die Maßnahmen, die den Lärm senken können. Ein paar Ideen haben wir für Sie hier zusammengestellt: 

  • Nutzen Sie schallschluckende/-dämmende Raumelemente, soweit es die Brandschutzverordnung zulässt: 
    • Teppiche auf dem Boden 
    • Gummierte Tischdecken 
    • Filzgleiter unter Stuhlbeine 
    • Vorhänge 
    • Pinnwände aus Filz statt White-Boards an die Wände 
    • Ggf. zusätzliche Wände oder schallschluckende Raumteiler 
  • Verringern Sie die Lautstärke bei Spielmaterialien: 
    • Laute Spielsachen aussortieren 
    • Gummieinlagen für Spielkisten 
    • Bälle aus Schaumstoff 
  • Nutzen Sie alle Räume und Bereiche vollständig aus, damit sich die Kinder etwas verteilen können: 
    • Schaffen Sie verschiedene Bereiche für verschiedene Tätigkeiten (Spielen, Toben/Bewegen, Ruhe/Entspannung, Essen, …) und teilen Sie den Bereichen jeweils z. B. eine Farbe oder ein Symbol zu, an denen sich die Kinder orientieren können. Teilen Sie die Kinder gut auf, sodass in jedem Bereich nur eine bestimmte Anzahl von Kindern spielt.  
    • Bieten Sie Spiele für Kinder an, die einen starken Bewegungsdrang haben. 
  • Lenken Sie die Lautstärkeentwicklung in den Räumlichkeiten:
    • Erstellen Sie Regeln für Räume, die von vielen Kindern zur selben Zeit genutzt werden. 
    • Nutzen Sie eine Lärmampel in Ihrem Gruppenraum oder vereinbaren Sie mit Ihren Kindern ein Zeichen für zu hohe Lautstärke (z. B. Licht 2x hintereinander ein- und ausschalten).
    • Bieten Sie im Tagesablauf sowohl Aktivitäten zum Auspowern als auch zum Entspannen und Runterkommen an.

Wir freuen uns auch über eine ausführliche Rückmeldung per E-Mail an: kita@fit-4-future.de

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